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„Vermissen werde ich die vielen interessanten Projekte?“

Langenhagen, 31. Oktober 2026 | Das Jahr 2026 brachte der Energie-Projektgesellschaft Langenhagen mbh, kurz EPL, einige Veränderungen. Im März zog das Unternehmen in die neuen Geschäftsräume in der Walsroder Strasse 93a, im Mai kam Dr. Niklas Wehbring als zweiter Geschäftsführer dazu, und nach 22 Jahren übergab Geschäftsführer Dr. Manfred Schüle am 31. Oktober den Staffelstab an seinen Nachfolger. Ein Rückblick im Interview.

Herr Dr. Schüle, EPL feierte vor zwei Jahren 30jähriges Bestehen. Wann sind Sie dazugestossen?

Schüle: Zunächst war ich ab 1994 Mitglied des Beirats, als mein Vorgänger, Bernd Hagenberg, noch Geschäftsführer war. Mit seinem altersbedingten Ausscheiden 2004 wechselte ich dann in die Geschäftsführung der EPL.

Können Sie uns kurz ihren Werdegang skizzieren?

Ich bin in Stuttgart geboren, aufgewachsen in Weil der Stadt, der Johannes-Kepler-Geburtsstadt, wo ich auch Abitur machte. Zum Maschinenbaustudium ging ich nach Hannover. 1986 schloss ich das Studium mit der Vertiefungsrichtung Energie- und Verfahrenstechnik, speziell Kraftwerkstechnik ab. Dann arbeitete ich vier Jahre als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Kälte- und Angewandte Wärmetechnik an der Universität Hannover. Im Rahmen dieser Tätigkeit schrieb ich auch meine Dissertation. 1991 wurde ich dann Referent des damaligen Gaswerksdirektors bei den Stadtwerken Hannover, heute enercity. 1997 übernahm ich die Leitung des Bereichs Contracting, und über diese Schiene kam ich zu EPL. Zunächst als Beiratsmitglied, dann als Geschäftsführer. 

Was war das erste Projekt bei EPL, das Sie in Angriff nahmen?

Nachdem die EPL mit Gründung 1994 die Heizzentrale und das damals vorhandene Wärmenetz rund um das Schulzentrum und Rathaus von der Stadt Langenhagen übernommen hatte, war das erste großes Projekt die Errichtung des Blockheizkraftwerks in direkter Nachbarschaft, die bis heute in Betrieb ist. Die Aufgabe der EPL war ja von Anfang an -und ist es immer noch-, eine effiziente und umweltschonende Energieerzeugung bzw. -versorgung in Langenhagen umzusetzen. Bald darauf war ein weiterer Schwerpunkt der ersten Jahre, das Nahwärmenetz im Weiherfeld aufzubauen EPL hat 1998 dort mit den ersten Häusern klein angefangen, indem wir dort eine mobile Containeranlage mit einem kleinen Kessel hingestellt haben. Diese Anlage wurde mit wachsendem Wärmebedarf im Baugebiet stetig vergrößert, bis wir schließlich die Energiezentrale in der Maria-Montessori-Straße bauen konnten.  2008 kam dann die Idee, in Sichtweite des Wohngebietes die Biogasanlage Kaltenweide zu bauen, die dann einen Teil des Erdgases durch Biogas ersetzte. So kam schon 2009 ein regenerativer Anteil ins Wärmenetz, der obendrein auch noch lokal erzeugt wurde. Damals hat noch niemand von „Dekarbonisierung“ der Energieversorgung gesprochen, wir waren echte Vorreiter.

Das Weiherfeld ist ja heute ein eigener Stadtteil, war das eigentlich schon von Anfang an so geplant?

Eigentlich schon. Aber was wir damals nicht ahnten war, dass uns das Weiherfeld 20 Jahre beschäftigen würde, bis es voll entwickelt war. Grund war, dass die ursprüngliche Planung mit Mehrfamilienhäusern nicht funktionierte. Erst als man mit Reihenhäusern, Doppelhäusern und Einfamilienhäusern plante, lief es besser. Die Nachfrage nach dieser Bauart war damals einfach größer. Das bedeutete für EPL natürlich, dass auch die Wärmeversorgung an die neuen Anforderungen angepasst werden musste, es mussten viel mehr Leitungen verlegt werden. Heute ist das Weiherfeld mit 28 Kilometer Netzlänge flächenmäßig das größte Wärmeversorgungsgebiet in Langenhagen.

Was waren  Sie wichtige Meilensteine während Ihrer Tätigkeit bei EPL?

Tatsächlich das Weiherfeld und der Bau der Biogasanlage. Damit haben wir frühzeitig ein zukunftsweisendes Projekt angefasst. Wir haben quasi die Energie- und Wärmewende schon ein Stück weit vorweggenommen und etwa ein Drittel der Wärme aus regenerativer Energie produziert. Dann kam der Ausbau des Wärmenetzes im Stadtzentrum, was bis heute anhält. Parallel dazu haben wir zusammen mit der Stadt Langenhagen weitere Nahwärmenetze im Stadtgebiet entwickelt. Wir nehmen dafür in der Regel eine Schule der Stadt als Standort für die Erzeugungsanlage und suchen rund um die Schule Kundinnen und Kunden, die auch Interesse an Wärmeversorgung haben. So sind die Wärmenetze in Wiesenau (Adolf-Reichwein-Schule), Rathenaustr. (Leibniz IGS) únd Hindenburgstr. (Friedrich-Ebert-Schule) entstanden. Perspektivisch sollen die Inselnetze mit ihrem kontinuierlichen Ausbau zu einem Gesamtnetz entwickelt werden. Gerade sind wir dabei die Netze im Stadtzentrum Schildhof und Hindenburgstr. zu verbinden. Das geht Hand in Hand mit der kommunalen Wärmeplanung der Stadt und unserer strategischen Planung hinsichtlich mittel- und langfristigen Wärmenetzausbau in Verbindung mit der Transformation zu regenerativer Wärmeerzeugung.  

Wie war die Zusammenarbeit mit der Stadt Langenhagen?

Die Stadt ist nicht nur an der EPL mit 50 Prozent beteiligt, sondern auch ein sehr guter Partner bei der Umsetzung der gemeinsamen Ziele. Die Zusammenarbeit auf allen Ebenen war und ist immer auf Augenhöhe. Die langjährige vertrauensvolle Arbeit im 10-köpfigen Beirat der EPL ist dafür eine sehr gute Basis. Die EPL selbst steht ja mit ihren über 30 Jahren Existenz und ihrer Entwicklung in dieser Zeit als Beweis für eine gute Zusammenarbeit. Enercity stellte der EPL ihr Know-how zur Verfügung, und die städtischen Partner öffneten dann die entsprechenden Türen, um dieses Know-how in konkrete Projekte umzusetzen. Langenhagen hat im Vergleich mit vielen Kommunen, gerade auch in der Region, einen Jahrzehnte langen Vorsprung, was die Umsetzung von lokalen, effizienten und umweltschonenden Energieprojekten betrifft. 

Worauf sind Sie besonders stolz?

Dass unser Geschäft bei der EPL veritable Ausmaße angenommen hat. Wir werden dieses Jahr 50 Mio. kWh Wärme und 25 Mio. kWh Strom erzeugen und erwirtschaften 13 Millionen Euro Umsatz. Wir haben über die Jahre 30 Millionen Euro investiert in Energieanlagen, plus fünf Millionen für die Biogasanlage. Mein Stolz gilt besonders unserer recht kleinen Mannschaft, aktuell elf Mitarbeitende. Eine Wärmeversorgung in dieser in dieser Größenordnung mit diesem kleinen Team ohne nennenswerte Störungen oder gar große Ausfälle, zuverlässig, ökologisch und wirtschaftlich attraktiv. Das ist eine Leistung, deren Anerkennung der Mannschaft gebührt. 

Was kommt auf ihren Nachfolger Dr. Niklas Wehbring zu? Welche Projekte?

Dr. Wehbring wird die Anstrengungen intensivieren, um die kommunale Wärmeplanung und die strategische Transformationsplanung, die die EPL sich gegeben hat, umzusetzen. Es kommen große Investitionen auf die EPL zu, um die Anlagen zukunftsfähig zu halten. Wir wollen den Wärmeabsatz von 50 Millionen Kilowattstunden in den nächsten 15 Jahren verdoppeln. EPL muss weitere regenerative Energiequellen erschließen, beispielsweise über Wärmepumpen, die entweder Wärme aus der Luft oder aus Wasser ziehen, im speziellen Fall aus dem Abwasser der Kläranlage. 

Was geben Sie ihm mit auf den Weg?

Er braucht meinen Rat nicht, denn er ist schon ein Experte, kennt die Energiewirtschaft und die Herausforderungen. Er kann gut auf dem bestehenden Fundament und dem erfahrenen Team aufbauen. Die Kooperationen hegen und zu pflegen, die wir in Richtung Stadt, Verwaltung und Politik und in Richtung enercity pflegen, das würde ich ihm empfehlen. 

Wie sieht der Ruhestand für Manfred Schüle aus?

Ich werde viel mehr Zeit als bisher an und auf der Ostsee verbringen, ich segle gerne. Ich freue mich darauf, Dinge zu tun, die ich mir aussuchen kann; nicht mehr getrieben durch den Kalender. Vermissen werde ich die vielen interessanten Projekte, die in der Wärme- und Energiewirtschaft noch zu tun sind. Das hat mir immer sehr viel Spaß gemacht. 

Das Interview führte Thorsten Windus-Dörr, Fachjournalist aus Hannover.